Arbeiten auf australischen Baustellen – meine Erfahrungen

Working on a construction site

Mein erster Arbeitstag in Australien startete für mich um 7 Uhr auf einer Baustelle in Newport (Northern Beaches Sydney). Um pünktlich vor Ort zu sein, musste ich allerdings schon 04.45 Uhr aufstehen. Erstaunlicherweise war ich schon, kurz bevor der Wecker das erste Mal klingelte, wach, dass lag bestimmt an der Aufregung was mich wohl erwarten wird. Also „schnell“ frühstücken, noch ein paar Brote für
den Tag schmieren und dann ab zur Bushaltestelle. Wie sollte es anders sein, ich durfte rennen um den Bus pünktlich zu erreichen. Das sollte sich auch die nächsten Wochen nicht ändern, was nicht daran lag, dass ich zu spät aufgestanden bin, sondern viel mehr an meiner zeitlupenähnlichen Geschwindigkeit, in der ich mich frühs bewege. In voller Montur, sprich mit Stahlkappenschuhen, Arbeitshandschuhen und einem Leuchtshirt wartete ich auf die ersten Mitarbeiter vor dem Bauzaun. Auch für meine künftigen Kollegen ist es interessant erst einmal etwas über den Neuen zu erfahren.
Die größte Schwierigkeit dabei war eigentlich für die Australier, meinen Namen richtig auszusprechen. Vielleicht war meine Aussprache so undeutlich, aber selbst nach dem ich ihn buchstabiert habe, gelang es ihnen nicht so richtig „Franz“ auszusprechen. Seit dem wurde ich nur noch Franchy (gesprochen: Fränschi) genannt. Mittlerweile stelle ich mich selbst schon mit Franchy vor, egal ob am Telefon, im Restaurant wenn ich etwas bestelle oder einfach zu anderen Leuten die ich kennenlerne. 😀

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Baustelle in North Curl Curl

Alpine Designer Homes

Ich arbeitete für die Firma Alpine Designer Homes (kurz Alpine), die als Bauträger fungiert und exklusive Villen baut. Insgesamt gibt es derzeit 8-10 Baustellen innerhalb von Sydney, davon habe ich selbst auch auf fünf gearbeitet. Teilweise werden komplett neue Häuser gebaut und  teilweise ältere Immobilien von Grund auf erneuert, sowie mit neuster Technik ausgestattet. Mit mir wurden noch weitere 6-8 Backpacker beschäftigt. Ansonsten gibt es einige festangestellte ausgebildete Handwerker und Supervisor, die wiederum für die Koordination auf den Baustellen zuständig sind. Für viele Arbeiten werden auch externe Firmen beauftragt, wie zum Beispiel zum Fliesen legen, für Malerarbeiten und die Gestaltung der Außenfassade.

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Fassade mit massiven Sandsteinblöcken
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Fertige Wand aus Sandsteinen

Mein Einsatz als General Labourer

Der Titel General Labourer klingt erstmal viel versprechend, aber bedeutet nichts weiter als Hilfsarbeiter.  Am wichtigsten für diesen Job ist es, dass man ordentlich anpacken kann. Die typischen Arbeiten sind hierbei das Tragen von Material von A nach B, Graben von Löchern oder Gräben und Säubern der Baustellen. Mir wurden manchmal auch andere Aufgaben übertragen, wie den kompletten Holzparkettboden mit Filz und Pappe auszulegen und abzukleben oder in Badezimmern eine zähe Flüssigkeit aufzutragen bevor die Fließen verlegt werden (Waterproofing).

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Waterproofing entlang des Pools auf der Dachterasse

Ansonsten wird auch mit großem Werkzeug wie Winkelschleifern, Presslufthämmern, Nagelpistolen und vielem mehr gearbeitet.
Eine klassische Anweisung von meinem Supervisor war: „Get rid of all that short timber and rubish over here!“ oder „Grab a shovel
and start dicking a hole 500 square and 800 deep right here!“ und so war man dann erstmal beschäftigt. Ganz wichtig war es stets die Schutzkleidung zu tragen, wie Gehörschutz, Sicherheitsbrillen, Handschuhe und immer die Stahlkappenschuhe. Die Kommunikation auf der Baustelle hat bestens funktioniert. Klar kann man besonders am Anfang einige Wörter nicht richtig einordnen, aber dafür hat man ja einen Mund zum Nachfragen.

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Graben von Stufen als Grundlage für eine Mauer

An meinem vorletzten Freitag durfte ich dann nochmal richtig ranklotzen. Gegen Mittag kam eine Lieferung von 120 Zementsäcken, die allesamt in das Haus getragen werden mussten. Nach getaner Arbeit fuhr ein weiterer Truck mit stolzen 9 Paletten feinster italienischer Mamorfliesen vor. Selbstverständlich dürfen diese auch nicht über das Wochenende auf der Straße stehen und deshalb durften wir anschließend dann noch zu dritt die Fliesen in das Haus tragen.

Risiken und Nebenwirkungen

Meinen Einsatz auf den Baustellen habe ich nicht ganz unbeschadet überstanden. Die ersten beiden Tage habe ich direkt jeweils 11 Stunden gearbeitet. Es ging los mit dem Tragen von großen Sandsteinblöcken auf die erste Gerüstebene. Die ungewohnte Belastung für den Rücken wurde mit ordentlich Muskelkater belohnt und am Abend fiel ich todmüde bereits um 9 Uhr ins Bett. Eine andere Nebenwirkung vom Einsatz des Jack-Hammers oder durch Tragen schwerer Sachen ist, dass sich die Finger am nächsten Morgen nicht mehr richtig bewegen lassen. Viele kleine Verstauchungen lösen diese Schmerzen aus und auch nach 8 Wochen haben sich meine Hände nicht daran gewöhnt. Aber das ist alles nichts tragisches, da es nach ein paar Tagen wieder von alleine nach lässt.

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Einsatz von schwerem Gerät erfordert Kraft und Ausdauer

Ganz anders ist es mit meiner letzten Verletzung, diese wird mir immer in Erinnerung bleiben und mich stets als Souvenir begleiten. Bereits in meiner zweiten Woche kam es zu einem kleinen Arbeitsunfall, bei dem ich mich mit der Flex in den Finger geschnitten habe. Glückerweise war der Schnitt entlang des Fingers und nicht quer durch, sodass keine Sehne etc. ernsthaft verletzt wurde. Dennoch musste ich ins Krankenhaus nach Mona Vale und den Finger mit 7 Stichen nähen lassen, da der Schnitt doch recht tief ins Fleisch ging.

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Verbandswechsel – der Arzt sagt es heilt gut und schnell!

Die Bilanz von 8 Wochen Construction Work ist für mich definitiv positiv! Ich habe viele Stunden gearbeitet und diese auch gut bezahlt bekommen! Der Job ist anstrengend und schewißtreibend, aber eben auch abwechslungsreich. Ich habe mich mit allen Kollegen gut verstanden und vielleicht habe ich irgendwann nochmal die Möglichkeit für Alpine zu arbeiten.
An meinem vorletzten Tag habe ich sogar noch ein Firmenshirt vom Chef geschenkt bekommen! Das hat mich natürlich riesig gefreut und zudem hat er mir auch grünes Licht gegeben nochmals für ihn zu arbeiten, wenn ich denn mal wieder in Sydney bin. 🙂Newport, Devine Stonemasonery, dreamcatcher.tv, dreamcatchertv

So, demnächst gibt es dann etwas mehr vom Land zu lesen und sehen, seid gespannt 😉

Schöne Grüße
Franz

Ein Kommentar zu „Arbeiten auf australischen Baustellen – meine Erfahrungen

  1. Hai, hast Du wirklich super gemacht, und der „Schnitt am Finger“ wird Dich immer an diese Zeit erinnern. Macht Spass, Deinen Worten zu folgen, aber ist leicht gesagt, wenn man im Stuhl vor dem PC hockt…… Aber ehrlich, Hut ab. Toll gemacht. Liebe Grüsse Inge 🙂

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