Pfingstausflug – voller R(h)einfall

Um die Zeit vor meiner Reise nach Australien noch ausgiebig zu nutzen, haben meine Freundin und ich über Pfingsten einen kleinen Roadtrip gemacht. Da wir recht kurzentschlossen den Ausflug geplant haben und unser Reiseziel noch nicht gewählt war, entschieden wir uns mit dem Auto auf’s gerade Wohl loszufahren. Der Kombi meiner Mutti diente uns dabei nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Schlafplatz, Wohnzimmer und Küche, naja so jedenfalls in der Theorie. Nach kurzem „Probeliegen“ im Kofferraum machte ich mich auf den Weg Johanna abzuholen.

Allee, Bodensee, Radolfzell, Pfingsten

Erster Stopp: Radolfzell am Bodensee

Wir entschieden dann gemeinsam in Richtung Süden zu fahren. Nach dem Mittag, auf einem Rastplatz ein ganzes Stück südlich von Stuttgart, steuerten wir als erstes die Stadt Radolfzell am Bodensee an. Am nordwestlichen Ufer, ca. 20 km von Konstanz entfernt, verbrachten wir den Tag ganz entspannt am Bodensee, -radolfzell, Roadtrip, Zeit genießenBodensee. Wir machten Fotos, schlenderten entlang des Ufers, genehmigten uns einen Eisbecher und zum krönenden Abschluss des Tages wollten wir noch grillen.
Gegen Abend dann plötzlich Frust: „Das darf ja wohl nicht wahr sein“ und „ach das ist nur ein kurzer Schauer“ waren unsere ersten Reaktionen, als es auf dem Weg zum Auto plötzlich anfing wie aus Eimern zu schütten. Tatsächlich, noch knapp 20 Minuten beruhigte sich der Himmel und wir konnten weiter. Bevor wir uns ans Grillen machten, suchten wir noch einen gemütlichen Platz zum Übernachten. Nach kurzer Fahrt durch verschiedene kleine Nester, hatten wir den perfekten Platz für uns gefunden, direkt neben einer Turnhalle, geschützt von kleineren Bäumen und nicht direkt von Wohngebäuden umgeben.
Fix den kleinen Einweggrill angeschürt, Johanna deckte inzwischen unseren „Tisch“ und bereitet das Grillgut vor. Mhhh das duftete als die ersten Hähnchensteaks auf dem Grill vor sich her bruzzelten. Was macht das Wetter? Es hält soweit, nur in weiter Entfernung hört man dumpfe Donnerschläge. Der Rost war gut belegt und mir schien es, als ob die ersten Fleischstücke fertig waren. Zum Probieren brachte mir Johanna gerade ein Messer aus unserer Küche mit, als sie erschrocken rief: „Nicht schon wieder…!“ Damit war der Regen gemeint. Gerüstet mit einem kleinen Regenschirm konnten uns natürlich so ein paar Tropfen nichts anhaben!
Immer größere Tropfen aus immer dunkler werdenden Wolken prasselten auf uns herab. Auch der Donner wurde lauter und die Abstände zwischen jedem Einzelnen kürzer.
Ein echter Thüringer lässt sich von nichts und niemandem das Braten verderben, dachte ich mir und zischte Johanna an, sie soll alles was wir nicht unbedingt brauchten zurück ins Auto bringen. Nur noch wir beide, der Regenschirm, unser Picknickgrill und die paar Fleischstücke waren übrig. Um uns herum ein mittlerweile brachiales Unwetter, auf das wir weder vorbereitet noch richtig ausgestattet waren. Das war für uns mit Abstand das bisher abenteuerlichste Grillen und zugleich auch das feuchteste 😀
Die Stimmung war unterwasser, eh unterirdisch meine ich natürlich und wir brachen unsere Grillparty vorzeitig ab. Klitsch nass bis auf die Haut setzen wir uns ins Auto. Sofort beschlugen die Scheiben, alles triefte vor Nässe. Stell dir bitte einmal vor, dein Bett, deine Couch und deine Küche stehen unter Wasser und alles was du an hast ist ebenfalls nass – genau so ging es uns.
Nach kurzem Überlegen schauten wir uns auf der Karte nach Unterkünften um, wir wollten uns ja nicht gleich am ersten Tag eine Erkältung einfangen. Es war schon 22 Uhr und für uns war es jetzt nur noch wichtig eine Bleibe für die Nacht zu finden, wo unsere Sachen trockneten und wir im Warmen waren. Passend zu unserem ins Wasser gefallenen Abendprogramm rief ich im Hotel Seerose an.
Das letzte Zimmer konnte uns der Gastwirt anbieten, da eine andere Familie kurzfristig abgesagt hatte – unsere Rettung.

Der Rheinfall – Naturgewalt hautnah

Am nächsten Morgen ging es dann nach dem Frühstück im Hotel direkt weiter. Wir machten uns auf den Weg in die Schweiz nach Schaffhausen. Auf der Fahrt mussten wir unweigerlich über unsere eigene Rheinfall Schloss LaufenUnfähigkeit lachen. Darüber werden wir noch lange berichten können und irgendwie war es ja auch eine lustige Erfahrung. Ich finde man sollte aus jeder Situation das Positive mitnehmen, anstatt sich ewig über Dinge aufzuregen, die man letztendlich sowieso nicht mehr ändern kann.
Nach nicht mal einer Stunde sind wir am Parkplatz vom Rheinfall angekommen. Für alle die nur mal einen kurzen Abstecher in die Schweiz machen wollen, empfehle ich die Autobahnen zu meiden, da ihr euch so die Maut sparen könnt. Die Sonne ließ sich nun auch wieder blicken und los ging es zu Fuß zunächst zum Schloss Laufen. Eine mittelalterliche Burg die seit gut 1000 Jahren direkt oberhalb des Rheinfalls thront.

Nach und nach stiegen wir bis zum Fuße des Felsen ab und nutzen die verschiedenen Fotospots unterwegs ausgiebig. Es ist beeindruckend live zu erleben, welche Naturgewalt hier herrscht. Das Wasser mit seiner türkisen Farbe bahnt unaufhaltsam seinen Weg, nur wenige Zentimeter neben uns strömt, mit einem unvorstellbaren Lärm, der Rhein an uns vorbei. Alles in der Nähe ist nass durch die Gischt und ich fühle mich direkt ein paar Stunden zurück versetzt zu unserem netten Grillabend 🙂Rheinfall, alles nass, zum Anfassen nah

Aber auch das andere Flussufer ist sehenswert. Die Bahnbrücke oberhalb des Rheinfalls bringt uns sicher rüber den Rhein. Von hier sieht man erst einmal wie beeindruckend sich das Schloss Laufen an den Berg schmiegt und vom Rhein umschlugen wird. Eine Mühle zeigt wie hier einst Energie gewonnen wurde. Mittlerweile dient diese nur noch als historische Sehenswürdigkeit und die Energie wird durch derzeit eine Turbine gewonnen. Ein Ausbau des Kraftwerks, um mehr natürliche Energie gewinnen zu können, wird im Zuge des geplanten Atomausstieg des Kantons ebenfalls diskutiert.

Eine Attraktion unterhalb des Rheinfalls sind die Bootstouren. Hier kann man beispielsweise bis an den Wasserfall heranfahren und sogar auf den mittleren Fesseln steigen. Wir haben uns aber lediglich für eine Überquerung des Rheins entschieden und waren nach ca. 5 Minuten wieder am anderen Ufer. Beeindruckt gingen wir zum Parkplatz und bereiteten unser Mittag zu.

 

Johanna und ich lieben es Auto zu fahren, wobei die Rollen dabei klar verteilt sind. Sie ist Beifahrerin und kümmert sich um unser leibliches Wohl, ich hingegen fahre uns überall sicher hin. Nächster Halt Titisee-Neustadt! Für einen Zwischenstopp hielten wir uns hier ein paar Stunden auf, da uns noch nicht genau klar war, was wir nun am Pfingstmontag machen wollen. Ich wollte auf jeden Fall noch etwas Action in unser verlängertes Wochenende bringen. Dazu war aber der Titisee nicht unbedingt geeignet. Nach etwas Grübeln erinnerte ich mich an einen Schulausflug, den wir damals in der 6. Klasse des Gymnasiums unternommen haben. Da besuchten wir an einem Tag den Hochseilgarten in Steinach. Auf so etwas hätte ich Lust. Bei einem kleinen Eis durchstöberte ich gleich mal diverse Suchmaschinen wo ein ordentlicher Kletterpark auf unserem Heimweg liegt.

Deutschlands günstigster Kletterwald in Viernheim

Der Kletterwald Viernheim sollte also das letzte Ziel auf unserer Rundfahrt werden und so fuhren wir dem Sonnenuntergang entgegen. Als erstes Richtung Freiburg im Breisgau auf Straßen quer durch den Schwarzwald, teilweise mit Felswänden, die links und rechts von uns bestimmt über 50 Meter hoch waren. Als die Sonne langsam am Horizont verschwand ließen wir gerade Karlsruhe im Rückspiegel verschwinden. In Viernheim schlugen wir dann auch unser Nachtquartier auf. Eigentlich genau neben dem Kletterwald befindet sich ein öffentlicher Parkplatz, da wird ja auf einem Pfingstsonntag nicht viel los sein.
Zielsicher trafen wir gegen 22.30 Uhr an besagtem Parkplatz an. Durch die Dunkelheit konnte man nur erahnen wo sich der Kletterwald befindet. Ein mulmiges Gefühl machte sich aber dennoch bei uns breit, denn nur ein paar hundert Meter von uns entfernt befand sich der städtische Friedhof. Wir schauten uns deshalb erst einmal zu Fuß um. Wir waren tatsächlich die einzigen weit und breit. Müde und geschafft von den Erlebnissen und der Fahrerei machten wir uns bettfertig und stiegen durch die Hintertür in unser Schlafzimmer. Es ist ungewohnt und auch nicht wirklich bequem, aber es genügt um für ein paar Stunden die Äuglein zu schließen und wieder Kraft zu tanken, die brauchen wir nämlich am nächsten Morgen.

Da ich schon sehr früh, was meine Verhältnisse betrifft, wach war, erkundete ich die Gegend noch einmal bei Tageslicht. Auf der einen Seite ganz nah bei uns war der Kletterwald. Es war noch alles still und Helm und Ausrüstung und dann gehts los zum Kletternverschlossen, bis auf die Vögel hörte man rein gar nichts. Auf der anderen Seite befand sich der Friedhof. Hier war schon bedeutet mehr los. Viele Menschen gingen hier schon spazieren oder liefen meist mir ihren Hunden um den Friedhof herum. Der Parkplatz, auf dem wir nächtigten, wurde zunehmend zu einem Treffpunkt für Jogger und „Montagsspaziergänger“. Einige Blicke zogen wir schon auf uns, da bei unserem Auto alle Scheiben abgedunkelt oder zu gehangen waren. Da stand ich nun in Jogginghose, die Haare zerwühlt und mit Badelatschen, also wenn ihr mich fragt ein Bild für die Götter 😀
Später dann gab es wieder Frühstück, diesmal im Auto und dann ging es auch direkt zu Deutschlands günstigstem Kletterwald. Wir buchten jeweils für 3 Stunden, bekamen die komplette Ausrüstung und eine ausführliche Einweisung von den Angestellten. Anschließend ging es los auf die insgesamt 12 unterschiedlichen Pacours. Dabei hat jeder einen anderen Namen und es gibt fünf Schwierigkeitsstufen. Natürlich haben wir mit der kleinsten angefangen, um sich dann nach und nach mehr zu trauen.
günstigster Kletterwald in Deutschland, 17 Meter hoch, verschiedene ParcoursWas für eine Anstrengung! Nach gut zwei Stunden waren bei Johanna die Kräfte am Ende. Es erfordert unheimlich viel Griffkraft und Ausdauer. Ich glaube für uns als Anfänger hätten definitiv zwei Stunden gereicht. Ich wollte aber unbedingt noch das Highlight erleben. In über 16 Meter Höhe fliegt man hier ganze 120 m frei durch die Luft. Ein echtes Erlebnis zu fairen Preisen, den Kletterwald Viernheim kann ich guten Gewissens weiterempfehlen.

 

Insgesamt sind wir an diesem Wochenende ca. 1250 km mit dem Auto gefahren. Jeder von uns hat etwa 20-25 km zu Fuß zurückgelegt und zu guter Letzt waren wir ja noch für etwas mehr wie zwei Stunden intensiv klettern. Ich bin froh, dass wir die Zeit zu zweit so ausgiebig genutzt haben und freue mich schon auf unsere nächsten gemeinsamen Ausflüge 🙂

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