Noch nicht Australien Teil II

Ein Tag in Boltenhagen

Neuer Tag, neues Glück – oder auch nicht, zu mindestens was das Wetter betrifft, daher entschieden wir uns spontan den Tag in Boltenhagen zu verbringen. Das heißt im Klartext wir sind gelaufen, gelaufen, gelaufen und Fahrrad gefahren. Das erste Ziel war unserer Lieblingseisdiele. Nach drei anstrengenden Kilometern, Berg auf und Berg ab 🙂 haben wir uns doch einen leckeren Eisbecher verdient.Erdbeeren, Eisbecher, Boltenhagen

Vom Italiener geht es weiter zur Seebrücke. Vor uns erstreckt sich der insgesamt fünf Kilometer lange Strand, sowie die zu unserer Linken liegende Steilküste mit einer Höhe von bis zu 35 m. Trotz dicken Wolken und kleinen Regenschauern sind viele Leute unterwegs und sogar baden in der Ostsee. Apropos baden: Boltenhagen ist das drittälteste deutsche Ostseebad. Zu verdanken hat es diesen Titel dem Grafen Bothmer, der um 1800 den Ort besuchte und seine Badekarren aufstellen ließ. Seither darf aber nicht nur der gehobene Landadel hier baden und sich erholen, mittlerweile ist es jedem gestattet 😉seebruecke, boltenhagen, ostseebad, regenbogen

Bei einem Besuch in Boltenhagen, vor allem für Shopping-Interessierte, darf auf keinem Fall ein Abstecher im Atelier 12 fehlen. Hier präsentiert Rocco Stark exklusive Damen- und Herrenmoden. Die Atmosphäre ist entspannt und zur Begrüßung bekommt man einen Prosecco oder Kaffee angeboten. Wer auf individuelle Kleidung steht und keinen Look von der Stange tragen möchte, findet hier mit Sicherheit das passende Stück. Da sich das Wetter über den Tag besserte und wir nun die Sonne im Schlepptau hatten, liehen wir uns gerade nebenan vom Atelier 12 ein Buggy-Fahrrad für vier Personen. Mit dem Rad sind wir dann einmal durch Boltenhagen gefahren bis zur Weißen Wiek. – dem Yachthafen.

Auf den Spuren der Grenztruppen

Das nächste Ostseebad auf unserer Küstentour war Kühlungsborn. Ein malerisches Städtchen mit vielen bunt-restaurierten Gebäuden und einem besonderen Leuchtturm. Bei unserem Spaziergang am Strand entlang, ist er mir sofort ins Auge gefallen, aber normalerweise stehen die doch viel weiter draußen, oder? Ich machte mich also auf den Weg zum ‚Leuchtturm‘.
>> Halt! Sofort stehen bleiben! Personenkontrolle, Ihren Ausweis bitte! <<
Ich schreckte zusammen, mein Herz rutsche in die Hose und wie gelähmt blieb ich stehen. Es verging ein Augenblick.
>> Haben Sie es mit den Ohren oder was? Zeigen Sie mir sofort ihren Ausweis!<< hallte es mit Nachdruck von einem stämmigen Mann in Uniform. Es dauerte noch eine Sekunde bis ich realisierte was der Mann von mir wollte und ich hektisch in meiner Tasche kramte. Er war Soldat und sehr akribisch bei der Kontrolle meiner Dokumente. Anschließend zeigte er auf ein Schild, >> Beim nächsten Mal melde ich den Vorfall meinem Vorgesetzten! Jetzt gehen sie schon…! <<
Heute will natürlich keiner meinen Ausweis sehen am Grenzturm vom Kühlungsborn, doch tatsächlich hätte so eine Situation noch vor gut 30 Jahren Realität sein können.

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Auf der Rückseite des Zauns befinden sich weitere Information zur Grenze und Fluchtversuchen

Ja genau Grenzturm und kein Leuchtturm. Bis 1990 war hier die VI. Grenzkompanie des III. Grenzbataillons stationiert, eine militärische Einheit die zur Sicherung und Überwachung der DDR-Staatsgrenze eingesetzt wurde.
Heute ist von der einstigen Überwachung so gut wie nichts mehr zu sehen. Nur der alte Grenzturm, oberhalb der Promenade, erinnert an die früheren Zeiten von Hammer und Sichel.
Um ehrlich zu sein, war mir gar nicht bewusst, dass auch entlang der Ostsee Grenztruppen stationiert waren. Mit der ehemaligen innerdeutschen Staatsgrenze verbinde ich eigentlich viel mehr die Mauer oder den sogenannten Todesstreifen. Das aber auch die Küste unter enormer Bewachung stand, war mir bis dato nicht bewusst. Ein Urlaubsort mit bewaffneten Soldaten, das erinnert mich viel mehr an Ägypten, da standen auch an vielen Checkpoints und an Hotelanlagen bewaffnete Männer. Urlaub in der DDR war eben anders als heute. Es gab begrenzte Reiseziele, der Urlaub war meist fest durchgeplant und ein Zimmer zu bekommen oft das größte Problem. Dafür waren die Urlaube aber dennoch ein Erlebnis, so berichtete mir jedenfalls meine Mutti. Wer mehr über das Reisen in der DDR erfahren möchte, kann gerne mal auf ihrem Blog vorbeischauen!

Eine Reise nach Australien, dass wäre damals unvorstellbar gewesen, aber warum nicht heute diese Chancen nutzen! Vielleicht kommt mich meine Mutti ja mal besuchen – Down Under 😉

Nach dieser kurzen Reise in die Vergangenheit wird mir wieder klar, wie gut es uns heute geht. Zu mindestens was unser Reisefreiheit betrifft. Mit dem deutschen Reisepass stehen mir so gut wie alle Türen offen, die Welt zu entdecken. Es wäre Frevel diese Türen nicht zu öffnen, denke ich mir und spaziere an der Ostsee entlang. strand, strandkoerbe, ostsee, kuehlungsborn

 Zum Baden ist es mir heute dann doch noch zu frisch, deshalb machen wir es uns gemeinsam in einem Strandkorb gemütlich, mit Live-Musik und Blick über den Yachthafen. Viel mehr braucht man nicht? Doch Vielmeer Kühlungsborn braucht man, wenn man es sich wirklich gut gehen lassen möchte. Die Zeit vergeht wie im Flug und mit Einbruch der Dunkelheit ziehen dicke Regenwolken auf, Zeit für uns zu gehen.

Langsam neigt sich unser Kurzurlaub an der Ostsee dem Ende zu. Unweigerlich muss ich an die Heimfahrt denken. Es sind in vielen Bundesländern die Ferien losgegangen und noch dazu ist es Sonntag. Eigentlich ein perfekter Tag um am Strand zu lungern, die Sonne zu genießen und endlich mal wieder auch in der Ostsee zu baden. Gesagt, getan! Wer weiß wann und wo ich das nächste Mal im Meer baden kann. Leider habe ich meine Schnorchelausrüstung vergessen, jetzt entgeht mir doch tatsächlich die einzigartige Unterwasserwelt der Ostsee! 😀

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